Der Start der Rallycross-Weltmeisterschaft unter Flutlicht

Bild: FIAWorldRallycross.com

In Abu-Dhabi fand die Saisoneröffnung der FIA World Rallycross Championship 2019 statt. Nach vielen Negativnachrichten über den Winter fanden 17 Fahrer aus 11 Nationen und 8 unterschiedlichen Marken den Weg in die Wüste. Von Marco Sandleben und Moritz Nolte.

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 In diesem Jahr sind die großen Stars der vergangenen Jahre nicht mehr mit am Start. Durch den Rückzug der Werksteams ist ohne das Dasein der Altweltmeister Solberg, Ekström und Kristoffersson kein Fahrer im Feld der sich bisher die Krone der Rallycrossweltmeisterschaft aufsetzen konnte. Viele neue und unbekannte Namen werden sich also in diesem Jahr in den finalen Startaufstellungen finden lassen. Kein Grund allerdings, der dieser tollen Serie einen Abbruch verschaffen wird, denn die privaten Teams haben sich in den vergangenen Jahren immer professioneller aufgestellt und schaut man ganz genau hin, so stellt man fest, dass mit drei ehemaligen EKS Audis und zwei ehemaligen Peugeot immer noch weltmeisterliche Autos im Feld finden lassen.

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Alles auf Anfang

Die neue Strecke auf dem Yas-Marina Circuit wurde rund um Kurve 7 der Formel 1 Strecke erbaut, erstreckt sich über 1,2 Kilometer und hat einen künstlich errichteten Sprung. Wie üblich bewegt sich das Verhältnis zwischen Asphalt und Schotter bei 60 / 40 %.  Großes Thema an diesem Wochenende waren die neuen „riesigen“ Curbs. Während die Organisatoren sich einig waren, dass es endlich Curbs gibt, die von den Fahrern nicht einfach umgefahren werden konnten, war die Stimmungslage auf Seiten der Fahrer eher ehrfurchterregend.

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Mit Timmy Hansen, Andreas Bakkerud und Reinis Nitiss gibt es drei Fahrer, die bereits in den Genuss gekommen sind, einen Lauf zur Rallycross Weltmeisterschaft zu gewinnen. Gerade vor dem Hintergrund, dass Hansen und Bakkerud in einem ihnen sehr vertrauten Auto sitzen, waren diese beiden die Topfavoriten auf den Gesamtsieg am Wochenende. Gerade Hansen wurde seiner Favoritenrolle gerecht und gewann gleich die ersten beiden Qualifikationsläufe. Highlight am ersten Tag war zweifelsohne der zweite Qualifikationslauf unter Flutlicht. Dieser wurde nach dem neuen Reglement per „Zufallsgeneratorentscheid“ entgegen der üblichen Reihenfolge gestartet, indem die schnellsten Fahrer aus Q1 das erste Starterfeld bilden. Zudem gab es eine Premiere. Vielen Motorsportbegeisterten mag der Anblick von Formel 1 Boliden in einem Flutlichtstrahl bekannt vorkommen. Für den Rallycross-Sport hingegen ist ein Rennen unter Flutlicht etwas Einmaliges.

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Harter Kampf um den Sieg

Mit dem „Topqualifier“-Spot startete Timmy Hansen nehmen Andreas Bakkerud in den dritten Qualifikationslauf. Alles sah nach einer guten Zeit für beide Piloten aus. Doch in der dritten Runde sollte die Jokerlap-Runde von Timmy Hansen das Wochenende der beiden Topfahrer auf den Kopf stellen. Die Ausfahrt der Jokerlap und die reguläre Strecke treffen genau auf der Ziellinie und dem Anbremspunkt zur Kurve 1 aufeinander. Als nun Hansen mit deutlichem Geschwindigkeitsüberschuss auf die erste Kurve zu raste, kam Bakkerud nach dem Sprung von der regulären Strecke und verpasste seinen Bremspunkt deutlich. Mit viel zu hoher Geschwindigkeit krachte der Audi-Pilot in den Schweden und zerstörte seine eigene vordere rechte Wagenseite komplett. Hansen hingegen flog aus Kurve eins in die Auslaufzone und konnte sich mit einem erheblich beschädigten Auto als Führender über die Ziellinie retten.

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Ein Crash mit großen Folgen  

Allen Beteiligten war nach diesem massiven Einschlag klar, dass weder die Autos noch Fahrer unbeschadet davonkommen würden. Andreas Bakkerud wurde nachträglich für seinen Fehler mit einer Disqualifikation bestraft und Timmy Hansen Peugeot 208 wies so großen Schaden am Überrollkäfig auf, dass sein Auto nicht weiter einsatzfähig war. Bei dem danach anstehenden Qualifikationslauf rollte der Audi von Bakkerud zwar vom Start los, musste allerdings eine desolate Rundenzeit schlucken. Nach den Qualifikationsläufen war dann für beide Fahrer Schluss, denn selbst Bakkerud schaffte es anhand seiner gesammelten Punktzahl nicht ins Halbfinale.

Der erste Sieg für Grönholm – vermeintlich

So kam es also, dass andere Fahrer in den Fokus rückten und ihre guten Leistungen am Wochenende in den Halbfinalen unter Beweis stellen konnten. Am besten gelang das dem jüngeren Bruder Kevin Hansen und Niclas Grönholm im Hyundai i20. Grönholm bewies bereits letztes Jahr, dass er es regelmäßig ins Finale schaffen kann. Mit fünf Finalteilnahmen war er der Fahrer, der den Werksfahrern im vergangenen Jahr am nächsten kam und die Saison folgerichtig als „best of the rest“ mit einem siebten Platz abschloss.

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Im Finale startete er in der ersten Reihe neben Kevin Hansen. Der Peugeot-Pilot erwischte den besseren Start und setze sich an die Spitze. Über fünf Runden lieferten sich Hansen und Grönholm einen sauberen und stilsicheren Kampf um die Spitze. Bis in Runde fünf. In der Bergpassage hin zur Harnadekurve verpasste Grönholm dem Peugeot-Piloten beim Herausbeschleunigen einen kleinen Stoß auf die hintere linke Seite und sorgte somit für einen kleinen Schlenker des Schweden. Hansen bog sofort in die Jokerlap ab und reihte sich hinter Grönholm ein. Dieser behielt die Nerven und fuhr seinen Vorsprung übers Ziel und damit seinen ersten Sieg in der Rallycross-Weltmeisterschaft ein.

Kevin Hansen wird nachträglich zum Sieger erklärt

Doch der hatte nicht lange Bestand. Nach dem Rennen wurde Grönholm für dessen hartes, nach Ansicht der Sportkommissare unfaires Manöver gegen Kevin Hansen, bestraft: Der GRX Taneco Pilot bekamm drei Strafsekunden aufgebrummt, sodass der jüngere der beiden Hansen-Brüder den Sieg am grünen Tisch errang!

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Ergebnis Finale Abu Dhabi 2019:

  1. Kevin HANSEN 04:39.467
  2. Niclas GRÖNHOLM 04:36.946 (+ 3 Strafsekunden)
  3. Liam DORAN 04:40.195
  4. Janis BAUMANIS 04:41.694
  5. Krisztián SZABÓ 04:43.117
  6. Timo SCHEIDER 05:09.084