DRX: Interview mit Jan Hohmeier vom DMSB

Vorsitzender des DMSB-Offroad-Ausschusses: Jan Hohmeier

Jan Hohmeier ist als Vorsitzender des Offroad-Ausschusses beim Deutschen Motorsport Bund (DMSB) für den Rallycross in Deutschland zuständig. Er begleitet zusammen mit seinen Kollegen die Saison, fungiert als Ansprechpartner bei Fragen zur Regelauslegung und optimiert zusammen mit den Machern der DRX, Fahrern und Teams die Deutsche Rallycross Meisterschaft. Also genau der richtige Mann für ein Gespräch über den Rallycross in Deutschland.

Jan, die Deutsche Rallycross Meisterschaft bietet viel Action und Motorsport „zum Anfassen“. Wie zufrieden bist du mit der Entwicklung der DRX?

Man kann nie zufrieden sein. Es ist aber wichtig, dem Sport ein gutes Umfeld zu bieten. Da sind wir auf einem guten Weg. Generell ist es mir wichtig, den Sport gemeinsam mit Fahrern, Veranstaltern und Fans weiter zu entwickeln.

Mit Oschersleben steht eine neue Veranstaltung im DRX-Kalender. Was erhofft ihr euch von dem Lauf in Mitteldeutschland?

Diese Strecke kann dem Rallycross-Sport durchaus einen neuen Schub geben. Zunächst haben wir eine weitere Strecke im Programm. Dann werden wir in einer Region präsent, wo es bisher nicht viel Rallycross gibt. So etwas hilft immer, braucht aber viel Zeit. Bereits vor etlichen Jahren waren wir ein paar mal in der Motorsportarena und wollen nun versuchen, aus diesen Jahren zu lernen. Es gibt da schon ein paar interessante Ansätze, was neue Wege bei der Streckengestaltung betrifft, denen sollte man eine Chance geben.

2018 fährt die DRX auch wieder im belgischen Arendonk. Sag doch bitte mal etwas zur Strecke und ihrer Charakteristik.

Wir treffen uns bereits seit vielen Jahren einmal pro Saison in Belgien. In Arendonk ist es nun möglich, dass wir gemeinsam mit der BORA ein Rennwochenende auf die Beine stellen. Die Strecke selbst ist in den vergangenen Jahren nur für die Regional-Meisterschaft, das ist die belgische zweite Liga, genutzt worden. Jetzt ist geplant, gemeinam mit den belgischen Top-Piloten wieder den großen Kurs unter die Räder zu nehmen. Zur Streckencharakteristik kann ich noch nicht viel sagen, aber gerade der Reiz des Neuen ist ja auch eine Herausforderung, der sich alle Fahrer geichermaßen stellen müssen. Mir war vor allem wichtig, dass wir bei der Organisations-Struktur auf bewährte Kontakte zurückgreifen können. Hier haben wir in den letzten Jahren die meisten Fortschritte gemacht, und die wollen wir bewahren. Ich bin mir jedenfalls ganz sicher: Die DRX-Fahrer werden in Arendonk sehr willkommen sein.

Der Glosso Circuit im belgischen Arendonk. Bild: glossocircuit.be
Der Glosso Circuit im belgischen Arendonk. Bild: glossocircuit.be

Mit der belgischen Rallycross-Meisterschaft arbeitet ihr auch recht eng zusammen, die DRX fährt regelmäßig in Belgien. Könnt ihr euch vorstellen internationaler zu werden, künftig auch in Holland, Österreich, Dänemark oder der Schweiz zu fahren?

Im Prinzip ja. Aber es ist nicht ganz so einfach, wie es aussieht. Das Internationale Sportgesetz schreibt ganz klar vor, dass wir als Nationale Serie nur maximal einen Lauf pro Saison im Ausland durchführen dürfen. Es geht also nur „entweder hier oder dort“. Dann muss man natürlich auch die Entfernungen bedenken. Unsere Fahrer sind generell reine Amateure, da ist jeder Urlaubstag kostbar. Hinzu kommt, dass möglichst die technischen Regelwerke kompatibel sein sollten, damit der Ablauf besser klappt. In dem Zusammenhang wollen wir uns in der Zukunft auch im eigenen Regelwerk besser aufstellen.

Wir behalten aber die Entwicklung in allen Nachbarländern natürlich im Blick, übrigens auch Richtung Polen und Tschechien. Vielleicht kommt auch einmal eine Rotation in Frage. Ganz wichtig ist dabei, dass auch so etwas so weit wie möglich im Konsens mit den Teams und unseren Veranstaltern entschieden wird. Denn wir wollen ja alle profitieren. Auch deshalb ist übrigens der Fahrervertreter für Rallycross, Björn Urbach, ein festes Mitglied unseres Fachausschusses.

Wie weit seid ihr mit dem neuen technischen Regelwerk?

Das technische Reglement sollte in diesen Tagen veröffentlicht werden. Für dieses Jahr ist nur die Teilung von Supernational in zwei Gruppen (bis und über 2 Liter) durchgeführt worden. In der kommenden Saison wollen wir dann einiges gründlicher überarbeiten. Dabei werden wir aber darauf achten, dass für die existierenden Fahrzeuge eine Startmöglichkeit erhalten bleibt.

Marco Wittkowski. Bild: Rallycross-DM.de
Marco Wittkowski. Bild: Rallycross-DM.de

Ihr plant, zukünftig in der DRX einen Pool aus permanenten technischen Kommissaren einzuführen. Wie weit seid ihr da?

Da gibt es bisher nur die generelle Bereitschaft der Veranstalter, dies ähnlich zu handhaben, wie wir es im Autocross recht erfolgreich eingeführt haben. Die weitere Ausgestaltung, auch mit Namen, ist die Aufgabe der nächsten Wochen bis zum Saisonstart.

Was sagt du eigentlich zum Thema E-Rallycross? Ist das ein Thema, das mittel- oder langfristig auch die DRX erreichen kann?

Rallycross ist sicher genau der richtige Sport um Elektro-Fahrzeuge zu präsentieren, da es bei den kurzen Sprintrennen nicht so auf Reichweiten ankommt. Auch die bessere Leistungsentfaltung kann sich da sehr gut auswirken. Ich sehe hier aber vor allem eine Möglichkeit für Hersteller, sich zu engagieren. Das passt wenig zum Konzept der DRX als reiner Breitensport für den interessierten Amateur. Für den wäre im Moment ein solches Fahrzeug kaum zu bezahlen.

Aber man soll keine Denkverbote aufstellen. Wenn zum Beispiel ein Hersteller ein paar Fahrzeuge für einen Markenpokal zur Verfügung stellt, kann das schon anders aussehen. Dafür ist es aber wichtig, zunächst einige praktische Erfahrungen zu sammeln. Dann wird man sehen ob man auch auf dem nationalen Level mit diesen Fahrzeugen klar kommt. Denn auch das Umfeld ist ja durchaus anspruchsvoll, was Infrastruktur, Sicherheit usw. angeht. Ich sehe E-Rallycross aber in jedem Fall nur als Erweiterung, nicht als direkte Konkurrenz. Es macht keinen Sinn, eines Tages Verbrenner direkt gegen Stromer rennen zu lassen. Dafür sind auch die Fahrzeugkonzepte zu unterschiedlich. Und wir wollen ja immer auch eine gewisse Chancengleichheit haben.

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Über Moritz Nolte 71 Artikel
Moritz Nolte arbeitet als Motorjournalist und Social-Media-Berater für die Automobilindustrie. Bereits seit 2007 schreibt er im Kundenauftrag Motorsportreportagen - unter anderem für Opel Motorsport und Bilstein. Seit 2017 betreibt er worldrallyx.de. Privat ist Moritz als begeisterter Trackday-Fahrer auf Europas Rennstrecken mit seinem Toyota GT86 unterwegs.

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