Elektro-Rallycross: So könnte die E-WRX aussehen

Bild: FIAWorldRallycross.com

Noch gibt es weder ein Reglement, noch konkrete Termine oder gar offizielle Teilnehmer. Doch eine mögliche E-Rallycross-Serie wird von den Fans schon jetzt kontrovers, zuweilen höchst emotional diskutiert.

Vor allem die bereits jetzt in der Rallycross WM (WRX) aktiven Automobilhersteller lassen keine Gelegenheit aus, um sich für eine E-Rallycross-Serie stark zu machen. In einer eigens geschaffenen Projektgruppe arbeiten schon jetzt die FIA, WRX-Teams und mit Audi, BMW, Ford, Jaguar, Nissan, Peugeot, Volvo und Volkswagen acht Autohersteller an der Definition der technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen.

Die vor allem von den Herstellern, der FIA und WRX-Promoter IMG forcierte E-Kategorie dürfte kein Selbstläufer werden: In einer von worldrallyx.de durchgeführten Umfrage lehnte fast jeder Zweite Elektro-Rallycross kategorisch ab (48%). Nur 20% würden E-Rallycross explizit begrüßen. Aber immerhin fast ein Drittel der 209 befragten Rallycross-Fans würde E-Rallycross eine Chance geben, wenn das Format stimmt (32%).

Bereits im Frühjahr 2018 soll es ein technisches Reglement geben, bis Herbst können sich dann Hersteller einschreiben. Sind es genügend, soll es im kommenden Jahr erste Testfahrten geben und in 2020 dann eine komplette Serie.

IMG-Promoter Paul Bellamy sagte bereits im Sommer 2017:  „Die FIA vertritt die Position, Autos mit Elektro- und Verbrennungsmotor nicht zusammen antreten zu lassen. Sie dürfen im selben Rahmenprogramm vertreten sein, aber nicht im selben Rennen auf der Strecke fahren.“

Es sei „wichtig, die Verbrennungsmotoren in der Rallycross-WM weiterhin zu nutzen. Die Formel E hat ja auch nicht die Formel 1 beeinflusst. Eine elektrische Rallycross-Serie wird unsere Topkategorie nicht ersetzen“, machte Bellamy klar.

FIA-Präsident Jean Todt und Peugeot-Fahrer Sébastien Loeb können sich E-Rallycross vorstellen. Bild: FIAWorldRallycross.com
FIA-Präsident Jean Todt und Peugeot-Fahrer Sébastien Loeb können sich E-Rallycross vorstellen. Bild: FIAWorldRallycross.com

Ob eine E-WRX im Rahmen der Rallycross-WM ausgetragen wird oder losgelöst davon einen eigenen Kalender erhält, war bislang unklar. Eine Quelle aus dem Umfeld der Projektgruppe bestätigte jetzt gegenüber worldrallyx.de, dass es auf einen Mix der beiden Möglichkeiten hinauslaufen dürfte:

„Ein wesentlicher Teil soll sein, dass die E-Rennen zum Teil bei WRX-Veranstaltungen im Rahmenprogramm laufen, zum Teil aber auch eigenständig. Es soll einen Mix aus klassischen RX-Strecken und Formel-Strecken wie zum Beispiel Barcelona geben.“ Reine E-WRX-Rennen könnten dann wie in der Formel E auch auf Stadtkursen stattfinden. Auch ein Rennen in Hockenheim sei wieder denkbar.

Wie bereits bei der WRX sollen auch die E-WRX-Events mit Lifestyle-Elementen – etwa Musik-Events, Gaming-Zones, Testfahrten – ein neues Publikum ansprechen.

Auch die E-WRX wird auf Lifestyle-Elemente setzen. Bild: FIAWorldRallycross.com
Auch die E-WRX wird auf Lifestyle-Elemente setzen. Bild: FIAWorldRallycross.com

„Ganz wichtig ist aber, dass derzeit niemand vom klassischen Rallycross Abschied nehmen will“, betont ein Funktionär. „Neben dem allgemeinen E-Trend, den man ja nicht verleugnen kann, bietet sich dadurch wahrscheinlich die Möglichkeit, dass die Verbrennungsmotoren wieder auf ein Maß zurückgehen, wo das klassische Privatteam eine Chance hat. Im Moment ist es ja so, dass durch den Einstieg der Werke hier der Privatfahrer eher verdrängt wird.“

Technisch und logistisch gebe es „noch eine Menge Probleme zu lösen. Zum Beispiel in puncto Batterie-Leistung, Infrastruktur der Rennstrecken, Umgang mit defekten Fahrzeugen etc. Zum Teil werden wir dort wohl auch auf Erfahrungen aus der Formel E zurückgreifen.“

Über Moritz Nolte 85 Artikel
Moritz Nolte arbeitet als Motorjournalist und Social-Media-Berater für die Automobilindustrie. Bereits seit 2007 schreibt er im Kundenauftrag Motorsportreportagen - unter anderem für Opel Motorsport und Bilstein. Seit 2017 betreibt er worldrallyx.de. Privat ist Moritz als begeisterter Trackday-Fahrer auf Europas Rennstrecken mit seinem Toyota GT86 unterwegs.