Herzschlag-Finale in Frankreich: Kristoffersson gewinnt den World RX in Lohéac!

Wieder gewonnen: Johan Kristoffersson. Bild: FIAWorldRallycross.com

Johan Kristoffersson gewinnt den WRX-Lauf in Lohéac – sein siebter (!) Saisonsieg. Doch dieses Mal schrammte der VW-Pilot knapp an einer Niederlage vorbei. Im Finale sah es lange so aus, als könne EKS Audi Sport endlich den ersten Sieg einfahren. Doch Rallycross-WM bedeutet in diesem Jahr: Sechs Fahrer kämpfen um den Sieg – und am Ende gewinnt stets Kristoffersson.

Johan Kristoffersson war das gesamte Wochenende über der schnellste Pilot in der Bretagne. Doch im Semi-Final musste sich der VW-Werkspilot VW-Pilot seinem Landsmann Mattias Ekström im Audi S1 EKS RX geschlagen geben. Dass mit den Audis im Finale zu rechnen sein würde, zeigte Andreas Bakkerud im zweiten Halbfinale, das der Norweger gewann.

Im Finale am Sonntag starteten die Audi-Piloten folglich aus der ersten Reihe. Dahinter: Kristoffersson und Loeb vor Solberg und Timmy Hansen. Somit war das Starterfeld komplett von Werks- bzw. werksunterstützten Teams besetzt.

Hatte gut lachen: Liam Doran. Bild: FIAWorldRallycross.com
Hatte gut Lachen: Liam Doran. Bild: FIAWorldRallycross.com

Starke Leistungen zeigten bis in die Halbfinal-Rennen allerdings auch die Privat-Teams: Liam Doran im Renault Mégane von Guerlain Chicherits Team GCK fuhr in der Zwischenwertung nach den Quali-Rennen auf einen bärenstarken sechsten Platz, Timur Tymerzianov auf Rang acht und Niclas Grönholm sowie Kevin Eriksson auf Rang 9.

Doch zurück zum Finale: Bakkerud und Ekström erwischten einen guten Start – allerdings auch Kristoffersson und Loeb. Bakkerud ging in Führung, doch auf Platz drei liegend fuhr Johan Kristoffersson schon im Kofferraum von Mattias Ekström. Kristoffersson schien schneller zu sein und bog in der zweiten Runde  in die Jokerlap ab – kam allerdings im dichten Traffic hinter Séb Loeb wieder raus. Hatte sich der Schwede verkalkuliert? Es sah ganz danach aus.

Vorne flogen die Audis ihrem vermeintlichen Sieg entgegen. Weiter hinten hing Kristoffersson hinter Timmy Hansen im Peugeot 208 RX fest. Doch bei genauerem Hinsehen zeigte sich: Hansen und Kristoffersson machten Zeit gut – und Bakkerud schien Ekström vorne einzubremsen. Aber der Schwede zog es vor, weiter hinter Bakkerud zu fahren und erst in der letzten Runde gemeinsam mit dem Führenden in die Jokerlap abzubiegen.

Das sah jetzt alles ziemlich eng aus. Und tatsächlich: Kurz vor dem Ziel musste sich Andreas Bakkerud aus der Jokerlap kommend ganz knapp hinter Johan Kristoffersson einsortieren. Der siebte Sieg von Johan Kristoffersson in dieser Saison.

Finale:

Rank DRIVER POS Time Champ Points
1. Johan KRISTOFFERSSON 1 03:44.787 8
2. Andreas BAKKERUD 2 03:45.127 5
3. Petter SOLBERG 3 03:45.571 4
4. Mattias EKSTRÖM 4 03:45.945 3
5. Timmy HANSEN 5 03:46.210 2
6. Sébastien LOEB 6 03:46.362 1

VW Polo R Supercar Pilot Johan Kristoffersson: „Das war ein unglaubliches Ergebnis. Aber um ehrlich zu sein war ich mir nicht sicher, dass es so kommen würde, als wir in die letzte Runde gingen.“

„Ich bin zwar enttäuscht, dass wir einen Doppelsieg so knapp verpasst haben, aber ich nehme viel Positives aus Frankreich mit“, kommentierte Andreas Bakkerud. „Wir hatten gute Resultate in den Vorläufen, konnten beide unser Halbfinale gewinnen und ich liege jetzt auf dem zweiten Platz in der Fahrerwertung.“ Teameigner und Fahrer Mattias Ekström ergänzte: „Wir hatten konkurrenzfähige Autos und starteten aus der ersten Reihe, doch am Ende reichte die ,Pace‘ nicht ganz, um den Sieg nach Hause zu bringen. Wir haben jetzt den zweiten Platz der Teamwertung zurück und werden in den letzten vier Läufen noch stärker um den Sieg kämpfen.“

Timmy Hansen kommentierte nach dem Rennen: „Es war großartig, hier in Frankreich zu fahren. Die Stimmung war einfach unglaublich. Egal, wo du hingeschaut hast: volle Tribünen. Auch deswegen hatte ich mir ein besseres Ergebnis als den fünften Rang ausgemalt. Natürlich ist das keine Katastrophe, aber wir hatten uns einfach mehr vorgenommen. Wir haben im Finale wirklich alles gegeben – es war leider nicht mehr drin. Wir gehen jetzt mit keinem schlechten Gefühl nach Hause, müssen aber weiter unsere Hausaufgaben erledigen. Die Voraussetzungen in unserem Team sind super, aber es muss halt alles zusammenpassen.“

Nur Platz sechs: Sébastien Loeb. Bild: FIAWorldRallycross.com
Nur Platz sechs: Sébastien Loeb. Bild: FIAWorldRallycross.com

Und Sébastien Loeb sagte: „Das Finale war intensiv. Es hat Spaß gemacht, den Peugeot 208 WRX hier zu fahren. Gerade in meinem Halbfinale. Mit den Startpositionen, die ich in den letzten Rennen innehatte, war es ziemlich wahrscheinlich, dass es schwierig werden würden. Und so kam es dann ja auch. Der sechste Platz ist unter diesen Umständen nicht allzu schlecht, denn schließlich war ich zwischendurch auch schon mal Zwölfter. Ich freue mich schon jetzt auf das kommende Event in Lettland.“

WM-Stand:

Driver PTS
Johan KRISTOFFERSSON 224
Andreas BAKKERUD 165
Petter SOLBERG 160
Timmy HANSEN 158
Mattias EKSTRÖM 157
Sébastien LOEB 151
Niclas GRÖNHOLM 95
Kevin HANSEN 86
Janis BAUMANIS 68
Timur TIMERZYANOV 66
Guerlain CHICHERIT 44
Robin LARSSON 22
Kevin ERIKSSON 15
Tommy RUSTAD 14
Liam DORAN 12
Grégoire DEMOUSTIER 9
Oliver BENNETT 5
Toomas HEIKKINEN 3
Andrew JORDAN 2
Davy JEANNEY 0
Emmanuel ANNE 0
Gaëtan SERAZIN 0
Hervé „KNAPICK“-LEMONNIER 0
Oliver O’DONOVAN 0
Timo SCHEIDER 0
Über Moritz Nolte 85 Artikel
Moritz Nolte arbeitet als Motorjournalist und Social-Media-Berater für die Automobilindustrie. Bereits seit 2007 schreibt er im Kundenauftrag Motorsportreportagen - unter anderem für Opel Motorsport und Bilstein. Seit 2017 betreibt er worldrallyx.de. Privat ist Moritz als begeisterter Trackday-Fahrer auf Europas Rennstrecken mit seinem Toyota GT86 unterwegs.