Interview mit MJP-Teamchef Max J. Pucher zur „neuen GRC“

Max J. Pucher startet beim World RX in Norwegen. Bild: FIAWorldRallycross.com

Die Red Bull Global Rallycross Series erfindet sich komplett neu: Bereits in der kommenden Saison wird die „Red Bull GRC Gold Class“ die Supercars ablösen. Ab 2019 wird es dann zwei Serien geben: Eine Serie wie gehabt in den USA – und eine neue in Europa. Dann wird es auch eine neue Top-Kategorie geben: Die Platinum Class, die im Vergleich zu den Supercars deutlich günstiger werden soll. Wir haben uns mit Max J. Pucher unterhalten, einem der Köpfe hinter der (R)Evolution der GRC.

Max J. Pucher, Teamchef von MJP Racing Rallycross, ist mit seinem Team technischer Partner und für die Entwicklung des neuen Autos verantwortlich – also genau der richtige Mann, um uns weitere Details zu verraten!

Die Nachricht, dass ihr mit der Red Bull Global Rallycross Series zusammenarbeitet und 2019 eine neue Fahrzeugklasse, sowie zwei neue Rallycross-Serien, die GRC Europe und die GRC of the Americas, an den Start gehen werden, hat für ordentlich Furore in der Szene gesorgt. Müssen wir davon ausgehen, dass ihr in diesem Jahr alle Hände voll zu tun haben werdet und nicht in der WRX starten werdet?

Die beiden Projekte WRX und GRC werden von unterschiedlichen Teams bearbeitet daher gibt es da kaum Konflikte. Ich habe entschieden unser Teambudget in diese neue Serie zu investieren und nicht ausschließlich in WRX Supercars. Wir starten in der WRX nur in wenigen Rennen, wenn wir wirklich Topfahrer bekommen und auch starten dürfen. Wir wissen ja noch nicht, wieviele volle Teams es gibt, auch wenn sich bisher nur drei angekündigt haben. Ob wir fahren dürfen, entscheiden die lokalen Veranstalter.

Werden die Autos der neuen Platinum Class komplett bei euch aufgebaut? Und wenn ja, von wie vielen Einheiten sprechen wir da?

Die Autos werden komplett in Österreich entwickelt und aufgebaut, aber es sind viele europäische Hersteller mit Komponenten beauftragt. Wir planen derzeit 30 bis 40 Autos für Anfang 2019, weil wir nicht viel mehr schaffen werden. Alleine so viele Motoren zu bekommen, ist nicht einfach. Wieviele es dann tatsächlich werden, hängt von den Bestellungen ab. Aber ich habe jetzt schon Anfragen zur Reservierung …

Kannst du uns noch ein paar technische Details zu den Autos verraten? Könnt ihr etwa die in der letzten Saison und über den Winter gewonnenen Erfahrungen in Bezug auf das Fahrwerk nutzen? Hier hattet ihr ja offenbar einen großen Sprung mit dem MJP-LionRX3 gemacht…

Der Sprung ist wirklich gewaltig und es tut mir echt leid, dass wir das nur so nebenbei zeigen können. Das GRC Platinum Auto läuft unter dem Projektnamen LionRX6 und wird auf einem speziell entwickelten Rohrrahmen aufgebaut. Er hat ein hochperformantes Fahrwerk welches natürlich auf den Erfahrungen des LionRX3 aufbaut. Aber der LionRX6 hat nichts mit dem Fiesta zu tun. Wichtig ist das niedere Gewicht, dass uns erlaubt mit der Motorleistung und Drehmoment herunter zu gehen, ohne an Rundenzeiten zu verlieren. Unsere Computersimulation sagt, dass es auf den klassischen Strecken, wo es die Agilität ausspielen kann, schneller als ein FIA Supercar wird. Aber einmal abwarten. Wichtig ist, dass vor allem der Motor ungefähr 3000 km hält und nur 25% der Supercars kostet. Wir sind daher beim ganzen Auto in den Jahreskosten extrem nieder.

Ein Vorgeschmack auf die neue Platinum Class der GRC. Bild: GRC/MJP Racing Rallycross
Ein Vorgeschmack auf die neue Platinum Class der GRC. Bild: GRC/MJP Racing Rallycross

Was versprecht ihr euch von den Autos der neuen Platinum Class?

Wir versprechen uns genausoviel Fahrspaß und Show wie bei den Supercars zu einem Bruchteil der Kosten und des Aufwandes. Wir werden auch ein Ersatzteilservice an der Rennstrecke anbieten und damit die Kosten für die Fahrer, Teams und schlussendlich Sponsoren nieder halten. Es sollte aber durch das spannendere Format und Fernsehen mehr Zuschauer anziehen und damit für alle mehr Geld für den Sport und für die Sponsoren bringen. Es gibt auch Pläne für Nachwuchs-Klassen und anderes, um einen vollen Tag an Rennfieber zu produzieren. Hinzu kommt die Chance für die besten Fahrer zum GRC Champions Cup zu fahren und zum ‚King of Rallycross‘ gekürt zu werden. Es ist zwar kein FIA Weltmeister aber sicher ein guter Schritt auf dem Weg dorthin.

Du hast gesagt, viele Talente schaffen es nicht in die Rallycross-Weltspitze, weil ihnen solvente Sponsoren fehlen. Hast du schon ein paar Talente im Auge, die in den nächsten Jahren den Durchbruch schaffen könnten.

Wenn es nur 20 Fahrerplätze in WRX gibt, dann schafft es immer nur ein kleiner Teil der Fahrer dorthin. So viele Sponsoren zu finden, die mehrere Millionen auf den Tisch legen, würde ein Vielfaches an Fernsehzeit und Popularität erfordern. Talente, die leistbare Drives suchen gibt es wie Sand am Meer und noch viel mehr Fahrer, die einfach fahren wollen und gar nicht daran denken, an die Weltspitze zu fahren. Aber die Zuschauer wollen Supercars sehen und wenn die aber zu viel Geld kosten, dann ist das für den Sport schlecht. Des weiteren kommt RXE und das wird weiters den Supercareinsatz schmälern. GRC Platinum Supercars, die 15% von heute kosten, kann man mit kleineren Sponsoren finanzieren. Damit gibt es Wachstum bei den Talenten. Und einige haben mich schon angeschrieben.

Aus Kostengründen sind Einheitsautos sicherlich sinnvoll. Aber wie spannend sind einheitliche Autos für die Fans – und nicht zuletzt für Sponsoren?

Es gibt viele Einheitsserien und die meisten sind erfolgreich. Auch die elektrische WRX oder RXE wird eine Einheitsserie und die RX2 Lites sind es schon. In der DTM sind 80% der Bauteile homologiert. Auch bei Platinum wird man verschiedene Bodykits auf die Autos tun können. Die Sponsoren interessiert nur die Namen der Fahrer, die Anzahl der Zuschauer und die Reichweite in den Medien. Was da für ein Auto daruntersteckt, ist nur ein Thema für den Hersteller. Natürlich gibt es Markenloyalität bei den Fans aber Fahrer und Action sind wichtiger.

Wie kam eigentlich die Zusammenarbeit mit Red Bull zustande?

Ich habe Colin Dyne (CEO, Red Bull Rallycross; Anm. der Redaktion) letztes Jahr kennengelernt, da wir in 2018 mit zwei unserer sechs Autos auch in der GRC fahren wollten. Damals haben wir über die Zukunft geplaudert. Ich habe ihm unser geplantes One-Design Auto als Konzept vorgestellt und als Visionär sah er ebenfalls die Chancen. Als sich dann Honda und Subaru zurückzogen, schlug ich GRC vor, mit den neuen Autos eine weltweite Serie aufzuziehen. Daraus wurde GRC Platinum. Red Bull ist heute der Seriensponsor in USA. Wie die Zusammenarbeit mit Red Bull in 2019 aussehen wird, kann ich nicht sagen. Für mich wäre es vor allem wegen der Medienarbeit interessant, nicht wegen Sponsorgeldern.

Ist der Schritt, eine eigene RX-Serie in Europa zu gründen als Angriff auf die WRX oder die Euro-RX zu verstehen?

Absolut nein. Das wäre ziemlich dumm als Motivation. Es war schon immer mein Erfolg als Geschäftsmann, nicht anderen Konkurrenz zu machen, sondern für meine Produkte auch eigene Märkte zu schaffen. Es gibt ein riesiges Vakuum zwischen WRX und den nationalen Meisterschaften, die die kleine EuroRX nicht füllen kann. Und leider ist diese für IMG nur ein Füllprogramm. Wie das mit RXE dann aussieht, wird man sehen. Es ist in unser beider Interesse, den Sport mehr bekannt zu machen und da sind wir gut füreinander.

Werden die Veranstalter der europäischen WRX-Läufe auch mit der GRC zusammenarbeiten oder wird die GRC Europe nur da fahren, wo die WRX nicht fährt – wie 2018 zum Beispiel in Lydden Hill?

Da wir als FIA International Series fahren werden, müssen wir mit den lokalen ASNs in den Ländern die Kalendereinträge finden. Das wird die Rennstrecken mehr bestimmen, als wo die WRX fährt oder nicht. Wenn IMG hier den Veranstaltern Bedingungen auferlegen würde und ihnen damit Umsatz nimmt, dann wäre das nicht sehr partnerschaftlich und zusätzlich dem Sport nicht zuträglich. Ich erwarte da keine Probleme. Und wenn ja, dann finden wir sicher Alternativen.

Wer wird denn Promoter der GRC Europe sein? Die Serie muss ja komplett neu aufgebaut werden…

Der Promoter der Serie wird unsere „GRC Europe“ sein. Diese übernimmt die gesamte Planung und Organisation, mit entsprechenden Werbepartnern und Marketingprofis, einem sehr professionellen Live-Fernsehauftritt mit Kameras in allen Fahrzeugen, sowie das Beste an Organisation für die Fahrer, Teams und Zuschauer. Es wird mindestens so professionell zugehen wie bei der WRX. Das ist für mich Voraussetzung. Die grosse Rallycross Fangemeinde gibt es und warum sollten sie für tolle Rennen mit ihren Lieblingsfahrern und auch neuen Talenten nicht kommen? Man muss aber auch unseren globalen Ansatz verstehen, weil wir die Serie weltweit ausrollen werden. Es heißt ja Global Rallycross …

Werden wir dich 2019 wieder im Cockpit sehen?

Ich werde in 2019 in meinem LionRX3 unterwegs sein, aber wieviel und wo genau kann ich noch nicht sagen. Ich habe in vier Jahren 8 Meistertitel eingefahren und muss niemandem etwas beweisen. Aber ich liebe den Sport und meine treuen Fans und werde sicher für sie da sein. Und in der GRC Europe fahre ich sicher in 2019 auch. Alleine wegen dem supergeilen Auto!

Artikel jetzt teilen:
Über Moritz Nolte 71 Artikel
Moritz Nolte arbeitet als Motorjournalist und Social-Media-Berater für die Automobilindustrie. Bereits seit 2007 schreibt er im Kundenauftrag Motorsportreportagen - unter anderem für Opel Motorsport und Bilstein. Seit 2017 betreibt er worldrallyx.de. Privat ist Moritz als begeisterter Trackday-Fahrer auf Europas Rennstrecken mit seinem Toyota GT86 unterwegs.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*