Johan Kristoffersson gewinnt spektakulären World RX of Portugal [UPDATE]

Johann Kristoffersson. Bild: Volkswagen Motorsport

Johan Kristoffersson gewinnt im VW Polo R Supercar den World RX of Portugal in Montalegre: Nach den für PSRX Volkswagen Sweden enttäuschenden Qualifying-Rennen meldeten sich die VW-Piloten pünktlich zum Halbfinale eindrucksvoll zurück.

So liefen die Qualifying Rennen:

In den Qualifying Sessions war Andreas Bakkerund im Audi S1 EKS RX quattro mit zwei Siegen der dominante Mann. Spektakulär vor allem: Rennen 4 in Q4, das Bakkerud mit fast zwei Sekunden vor Petter Solberg und Johan Kristoffersson gewinnen konnte. Bakkeruds Chef, Mattias Ekström belegte nach Q4 Rang drei. Ebenfalls bärenstark unterwegs: Team Peugeot-Total. Rallye-Legende Sébastien Loeb fuhr im Peugeot 208 auf Rang zwei, Timmy Hansen auf vier und dessen Bruder Kevin auf Platz sieben. Die PSRX-Piloten enttäuschten im Qualifying: Mit ihren nach dem World RX of Catalunya in Barcelona weiter optimierten VW Polo R fuhren Johan Kristoffersson und Petter Solberg nur auf die Ränge fünf und sechs. Petter Solberg analysierte: „Wir verlieren Zeit auf Schotter. Ausgerechnet. Denn normalerweise bin ich eigentlich schon recht schnell auf Schotter“, so der Ex-Rallye-Weltmeister.

Den 12er-Cut schafften zudem Kevin Eriksson im Olsbergs-Ford-Fiesta, Niclas Grönholm im GRX-Hyundai i20, Janis Baumanis im STARD-Ford-Fiesta, Guerlain Chichérit im GCK-Renault-Mégane und Timur Timerzyanov im zweiten GRX-Hyundai i20.

Guerlain Chichérit. Bild: FIAWorldRallycross.com
Guerlain Chichérit. Bild: FIAWorldRallycross.com

Intermediate Points nach Q4

Rank DRIVER Q1 Q2 Q3 Q4 QP IP
1. Andreas BAKKERUD 39 39 50 50 178 16
2. Sébastien LOEB 50 45 38 39 172 15
3. Mattias EKSTRÖM 45 42 37 42 166 14
4. Timmy HANSEN 38 50 40 38 166 13
5. Johan KRISTOFFERSSON 42 38 45 40 165 12
6. Petter SOLBERG 34 40 42 45 161 11
7. Kevin HANSEN 33 36 39 35 143 10
8. Kevin ERIKSSON 37 35 35 32 139 9
9. Niclas GRÖNHOLM 36 37 36 30 139 8
10. Janis BAUMANIS 32 34 34 36 136 7
11. Guerlain CHICHERIT 40 33 29 34 136 6
12. Timur TIMERZYANOV 35 31 32 37 135 5
13. Robin LARSSON 31 32 31 33 127 4
14. Jérôme GROSSET-JANIN 29 30 33 28 120 3
15. Grégoire DEMOUSTIER 30 29 27 31 117 2
16. Oliver BENNETT 25 27 28 29 109 1
17. Joaquim SANTOS 28 28 26 25 107 0
18. Mário BARBOSA 25 0 30 27 82 0

Die Halbfinal-Rennen:

Im ersten Halbfinale erwischten die beiden Audis von EKS Audi Sport den besseren Sport. Doch in der ersten Links nach dem Start behinderten sich zunächst Andreas Bakkerud und Mattias Ekström, die von den ersten beiden Startplätzen gestartet waren. Kevin Hansen im dritten Peugeot 208 touchierte zudem Ekström. Sehr zur Freude von Johan Kristoffersson: Der Sieger von Barcelona setzte sich an die Spitze des Feldes und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen. Andreas Bakkerud fuhr auf Rang zwei.

Dahinter spielte sich ein wahres Drama ab: Mattias Ekström fuhr in Runde 5 in seine Joker Lap, musste sich danach knapp hinter Guerlain Chichérit im Renault Mégane RS RX einsortieren. Ekström versuchte alles, konnte den schnellen Franzosen aber nicht mehr kassieren – das bittere Aus für Mattias Ekström, der nach seiner Disqualifikation im Finale in Barcelona unbedingt maximal punkten wollte.

Chichérit nach dem Rennen: „Ich bin super geflashed, im Finale zu stehen. Nach Barcelona haben wir gearbeitet und gearbeitet und gearbeitet, um nochmal alles aus dem Auto rauszuholen. Das hat sich gelohnt.“

 

Rank DRIVER POS Time Champ Points
1. Johan KRISTOFFERSSON 1 03:59.048 6
2. Andreas BAKKERUD 2 04:00.618 5
3. Guerlain CHICHERIT 3 04:02.380 4
4. Mattias EKSTRÖM 4 04:02.880 3
5. Niclas GRÖNHOLM 5 04:03.189 2
6. Kevin HANSEN 6 00:03.847 1

Auch das zweite Halbfinale begeisterte die Zuschauer in Portugal! Erst schockte Petter Solberg seine Fans und blieb beim Start einfach mal stehen – kämpfte sich aber eindrucksvoll zurück. Als (fast) das gesamte Feld in der ersten Runde in die Joker Lap ging, setzte sich Solberg hinter Sébastien Loeb auf Rang zwei.

Janis Baumanis und Kevin Eriksson gaben es sich weiter hinter ordentlich und behakten sich das gesamte Rennen lang. Timmy Hansen bog in Runde vier in seine Joker Lap ein, musste sich aber knapp hinter Loeb wieder einsortieren. Doch in der fünften Runde kassierte der Schwede den Franzosen, der in der Links nach Start-Ziel bei plötzlich einsetzendem, heftigen Schneeregen zu weit herausgetragen wurde.

Rank DRIVER POS Time Champ Points
1. Timmy HANSEN 1 04:14.812 6
2. Sébastien LOEB 2 04:15.210 5
3. Petter SOLBERG 3 04:15.586 4
4. Janis BAUMANIS 4 04:19.769 3
5. Kevin ERIKSSON 5 04:20.267 2
6. Timur TIMERZYANOV 6 04:25.303 1

Finale:

Mittlerweile hatte es sich richtig eingeregnet/eingeschneit und war schweinekalt geworden. Schwierige Bedingungen also für die Teams und vor allem die Reifen.

Im Regen gilt Johan Kristoffersson als einer der besten und konstantesten Fahrer im Rallycross-WM-Zirkus. Das bewies der Schwede auch in Montalegre. Nach gutem Start setzte sich der VW-Polo-R-Pilot direkt vom restlichen Feld ab. Timmy Hansen und Andreas Bakkerud blieb zunächst nur das Nachsehen. Dahinter gingen Sébastien Loeb, Petter Solberg und Guerlain Chichérit in ihre Joker-Runden.

Schock für Team Peugeot Total: Timmy Hansen touchierte die Leitplanke und drehte sich vor Andreas Bakkerund. Vorne hatte Kristoffersson bereits einen mehr als respektablen Vorsprung herausgefahren – musste allerdings noch in die Joker Lap.

Die hatte Sébastien Loeb bereits hinter sich. Wie schnell der Franzose war, zeigte sich, als Loeb Andreas Bakkerud kassierte, der seinerseits noch nicht in der Joker lap war.

Show Time in der letzten Runde: Kristoffersson ging in seine Joker Lap. Wo blieb Loeb? Der Franzose im Peugeot 208 trat sein Gaspedal gefühlt vermutlich schon beim Anbremsen in die Links nach Start-Ziel bis aufs Bodenblech durch. Doch der Vorsprung von Johan Kristoffersson war einfach zu groß: Der Schwede gewann vor Loeb, Solberg auf P3, Bakkerund auf P4, Chichérit auf P5 und Timmy Hansen auf dem sechsten Platz.

Die Stimmen:

Johan Kristoffersson: „Ich bin bis oben hin voll mit Adrenalin – die Halbfinals und das Finale waren einfach unglaublich, extrem schwierig mit vielen Berührungen und harten, aber fairen Zweikämpfen. Was soll ich sagen? Heute war einfach alles dabei! Das dritte und vierte Qualifying war nicht wirklich perfekt für uns, aber mit dem verrückten Wetter und den engen Zeiten wussten wir, dass alles möglich sein würde. Aus der zweiten Startreihe im Halbfinale wollte ich dem Führenden auf der Hauptstrecke folgen. Aber nachdem [Andreas] Bakkerud etwas weit kam, habe ich die Chance ergriffen und war sehr froh, dass ich den Sieg einfahren konnte. Dann setzte der Schnee ein und ich habe mich gefragt, was das für das Finale bedeuten würde – am Ende lief es perfekt für uns. Das Auto war großartig und ich könnte kaum zufriedener sein. Natürlich wird der Kampf an der Spitze härter. Aber mit zwei Siegen aus zwei Rennen und mit Petter ebenfalls auf dem Podium war es ein perfekter Saisonstart für mich und das ganze Team von PSRX Volkswagen Schweden.“

Sébastien Loeb: „Mein 208 WRX fühlte sich ab dem ersten Meter gut an. Im Trockenen ebenso wie bei den verrückten Bedingungen im Finale – wer rechnet schon mit Schnee in Portugal zu dieser Jahreszeit. Am ganzen Wochenende gab es packende Duelle, das hat wirklich Spaß gemacht. Unglaublich, wie dicht alle zusammenliegen – und wir sind ganz vorn mit dabei. Um in einem solchen Umfeld zu bestehen, muss alles perfekt laufen. Das ist nicht immer einfach, aber umso besser, wenn es einem gelingt.“

Petter Solberg: „Das ganze Wochenende war vom ersten Heat an eine echte Herausforderung. Es gab so ziemlich jede Wettervariante, die man sich vorstellen kann. Wissen Sie, ich habe einige Jahre im Rallyesport hinter mir und weiß, wie man auf Schnee, auf trockenem Schotter oder im Matsch oder auf Asphalt fahren muss. Das habe ich in der Rallyeweltmeisterschaft lang gemacht. Aber offenbar musste ich erst nach Montalegre zum “World RX of Portugal” kommen, um all diese Rennbedingungen an nur einem einzigen Tag zu erleben. Es war unglaublich, in einem Schneesturm zu fahren. Aber auch ziemlich cool… Jetzt müssen wir uns bei den Autos um kleine Details kümmern. Es fühlt sich phantastisch an, in der Weltmeisterschaft vorn zu liegen und zwei Autos auf dem Podium zu haben – Gratulation an meinen Team-Kollegen Johan zum zweiten Saisonsieg – aber wir müssen uns auf die Konkurrenz einstellen. Wir haben bei Peugeot und [Sébastien] Loeb gesehen, wie stark sie sind – und sie werden stärker werden. Wir müssen einfach noch stärker sein. Doch das Finale war ein phantastisches Rennen. Es war unglaublich und hat mich meinen verpatzten Start im Halbfinale vergessen lassen. Ich habe mir in diesem Rennen die Seele aus dem Leib gefahren. Ich war mir sicher, dass ich es nicht in die Top 3 schaffen würde, aber dann hat es doch geklappt. Wir sind hier sehr clever gefahren und haben die Punkte dafür kassiert. Das ist ungemein wichtig.“

Andreas Bakkerud: „Die Bedingungen waren extrem schwierig. Am Ende hat es nur zu Platz vier gereicht. Aber die Freude über meinen ersten Qualifikations-Sieg mit dem Audi S1 EKS RX quattro überwiegt.“

Timmy Hansen: „Das Wetter hatte sich vor dem Finale schlagartig verschlechtert, und wir konnten unser Auto nicht rechtzeitig von trockenen auf nasse Bedingungen umbauen. Das war auch ein Grund, warum ich an Kristoffersson im Finale nicht dranbleiben konnte, obwohl ich ganz gut unterwegs war. Beim Versuch, mich trotzdem nicht abhängen zu lassen, ist mir dann ein Fehler unterlaufen: Ich bin zu schnell in eine Kurve gefahren, habe die Streckenbegrenzung touchiert und mich gedreht. Unterm Strich hatten wir aber ein gutes Wochenende. Wann immer wir auf der Strecke waren, war der Speed da.“

Kevin Hansen: „Ich hatte einen guten Start im Halbfinale und fuhr direkt hinter Ekström. Ich dachte, er würde seine Joker-Lap antreten, was er aber nicht tat. Als er dann vor der Kurve abbremste, bin ich in sein Heck gefahren und habe mir dabei den Ladeluftkühler beschädigt – das war´s für mich. Schade. Aber wir hatten insgesamt einen guten Speed, und die Starts klappten wesentlich besser als in Barcelona. Ich war nun in beiden Saisonläufen im Halbfinale, und ohne den Zwischenfall hätte ich es heute sogar bis ins Finale geschafft. Ich fühle mich sehr wohl in meinem Peugeot und habe großes Vertrauen in das Auto.“

Mattias Ekström: „Man hat heute wieder einmal gesehen, wie eng Sieg und Niederlage im Rallycross zusammenliegen. Nach den Qualifikations-Läufen sah es vielversprechend aus, nach Kurve eins unseres Halbfinales dann ganz schlecht. Durch den Stoß von hinten habe ich einfach zu viel Zeit verloren, auch wenn ich anschließend alles versucht habe. Das Ende war enttäuschend. Aber wir haben erneut gezeigt, dass wir ein schnelles Auto haben.“

Rank DRIVER POS Time Champ Points
1. Johan KRISTOFFERSSON 1 04:16.859 8
2. Sébastien LOEB 2 04:19.112 5
3. Petter SOLBERG 3 04:20.797 4
4. Andreas BAKKERUD 4 04:23.501 3
5. Guerlain CHICHERIT 5 04:26.425 2
6. Timmy HANSEN 6 04:38.103 1
Über Moritz Nolte 83 Artikel
Moritz Nolte arbeitet als Motorjournalist und Social-Media-Berater für die Automobilindustrie. Bereits seit 2007 schreibt er im Kundenauftrag Motorsportreportagen - unter anderem für Opel Motorsport und Bilstein. Seit 2017 betreibt er worldrallyx.de. Privat ist Moritz als begeisterter Trackday-Fahrer auf Europas Rennstrecken mit seinem Toyota GT86 unterwegs.