Rallycross-WM: Interview mit „MJP Racing Rallycross“ Team-Chef Max J. Pucher

Max J. Pucher mit Kevin Eriksson. Bild: FIAWorldRallycross.com

98 Tage vor dem Start in die neue Rallycross-WM-Saison haben wir mit MJP Racing Rallycross Teamchef Max J. Pucher gesprochen. Der Österreicher verrät, was 2018 für sein Team ansteht – und spricht wie gewohnt Klartext.

Max, Ihr habt in der letzten Saison Platz 5 in der Rallycross-WM Team-Wertung geholt, 221 WM-Punkte gesammelt und STARD mit großem Abstand auf Platz 6 verwiesen. Bist du zufrieden mit dem Ergebnis?

Ich bin zufrieden, dass wir das beste Privatteam und die besten Privatfahrer hatten. Ich bin nicht zufrieden, da wir das Potential hatten, auch noch Ford Hoonigan zu schlagen. Leider hatten wir im zweiten Halbjahr echt viel Pech und wir waren auch am Limit des R5 Fahrwerks angelangt. Für 2018 haben wir daher ein ganz neues Fahrwerk entwickelt. Keine R5-Teile mehr…

MJP Racing Team Austria: Bestes Privat-team 2017. Bild: WorldRallycross.com
MJP Racing Rallycross: Bestes Privat-Team 2017. Bild: WorldRallycross.com

Mit MJP Racing Rallycross und STARD starten zwei österreichische Team in der Rallycross-WM. Besteht da eine besondere Rivalität oder arbeitet ihr sogar hier und da zusammen?

Manfred Stohl wäre ohne mich nicht in der WM, da ich alles in 2015 finanziert habe. Ich möchte über sein Verhalten in 2016 und 2017 nichts sagen. Er ist nicht wichtig, sondern einfach ein weiteres Team.

Die Fans sehnen die neue WRX-Saison herbei. Gibt es bei MJP Racing Rallycross schon etwas zur neuen Saison zu sagen? Was sind eure Ziele für 2018?

2018 ist noch immer voll in Schwebe. Wir haben unsere neuen Autos gebaut und testen. Sowohl Eriksson als auch Scheider wollen wieder mit uns fahren, aber leider fallen die Sponsoren nicht vom Himmel. Es gibt auch viele andere Optionen und Gespräche.

"MJP-LionRX3": So könnten die Ford Fiesta Supercars von MJP 2018 aussehen. Bild: NJP Racing Team Austria
„MJP-LionRX3“: So könnten die Ford Fiesta Supercars von MJP 2018 aussehen. Bild: MJP Racing Rallycross

Timo Scheider hat eine starke Saison hinter sich. Wie schätzt du sein fahrerisches Potenzial ein? Könnte er um den WM-Titel mitfahren?

Timo ist ein exzellenter Fahrer und ein toller Typ. Er musste in 2017 erst RX-Fahrwerke und Fahrstil kennenlernen. Er ist sicher immer fürs Podium gut. Er ist genauso gut wie Loeb oder Bakkerud.

Timo Scheider: Immer gut für einen Platz auf dem Podium. Bild: WorldRallycross.com
Timo Scheider: Immer gut für einen Platz unter den ersten Drei. Bild: WorldRallycross.com

Timo Scheider spricht mit BMW über ein mögliches Rallycross-Engagement. Könntet ihr euch vorstellen, mit BMW zusammenzuarbeiten? Gab es da vielleicht schon Gespräche?

Ich kenne den aktuellen Stand der Gespräche nicht, habe aber gehört, dass BMW erst mit Elektro-RX Interesse hätte. Ich würde natürlich auch mit BMW zusammenarbeiten, weil wir extrem viel Knowhow bezüglich RX- Fahrwerke einbringen können.

Unterschreibt Timo Scheider auch 2018 wieder bei MJP? Bild: FIAWorldRallycross.com
Unterschreibt Timo Scheider auch 2018 wieder bei MJP? Bild: FIAWorldRallycross.com

Manfred Stohl hat bereits 2014 einen Peugeot 207 S2000 mit zwei Elektromotoren aufgebaut. Habt ihr euch auch schon konkret mit dem Thema Elektrifizierung befasst oder spielt das erstmal keine Rolle?

Manfred Stohls auf Elektro umgebautes Rallye-Auto ist ein Prototyp, der mit dem, was kommen wird, nichts zu tun hat, außer dass er ebenfalls nicht als Rennwagen konzipiert wurde. Auch FIA zäumt dieses Pferd von hinten auf. MJP befasst sich seit 2016 mit der Entwicklung eines auf RX spezialisiertem Chassis, in dem die Anforderungen des E-Antriebs umgesetzt werden müssen. Das Problem sind die Drivetrain- und Batterie-Lieferanten, die vom Rennfahren nichts verstehen. Nur die Leistung macht kein Rennauto, schon gar nicht beim RX. Als Computerspezialist bin ich das Designoptimieren gewohnt und da liegt ein E-Antrieb viel näher an meinen 40 Jahren Informatik als ein Benzinmotor. Ich bin zusätzlich Elektrotechniker … also wir sind da sehr weit mit der Entwicklung. Es hatte nur das neue 2018 Fahrwerk Vorrang!

Timo Scheider in Belgien 2017. Bild: WordlRallycross.com
Timo Scheider in Belgien 2017. Bild: WordlRallycross.com

Du hast drei Rallycross-Staatsmeistertitel in Österreich eingefahren, bist 2015 WRX und 2016 ERX gefahren. „Nebenbei“ bist du auch noch erfolgreicher Unternehmer und Team-Besitzer. Wie schaffst du es, diese ganzen Aufgaben unter einen Hut zu bringen?

Das Selbst-Rennenfahren ist ein wichtiger Teil meines Entwicklungsprozesses und macht nebenbei Spaß. Meine Softwarefirma hat ein Top-Managementteam, das ich nicht jede Minute überwachen muss. Daher kann ich das parallel machen. Und meine Familie ist im Rennbetrieb voll integriert.

Danke, Max, für das Interview. Viel Erfolg dir und deinem Team in 2018!

Über Moritz Nolte 71 Artikel
Moritz Nolte arbeitet als Motorjournalist und Social-Media-Berater für die Automobilindustrie. Bereits seit 2007 schreibt er im Kundenauftrag Motorsportreportagen - unter anderem für Opel Motorsport und Bilstein. Seit 2017 betreibt er worldrallyx.de. Privat ist Moritz als begeisterter Trackday-Fahrer auf Europas Rennstrecken mit seinem Toyota GT86 unterwegs.