Saison-Vorschau: Deutsche Rallycross-Meisterschaft DRX 2018

Titelverteidiger Marco Wittkovski. Bild: Rallycross-DM.de

Die Deutsche Rallycross-Meisterschaft powered by ToyoTires startet am kommenden Wochenende auf dem Lausitzring in die neue Saison. Neben den vielen bekannten Rallycross-Teams kann die DRX auch einige neue Teams und Gesichter begrüßen. Das Championat verspricht somit nochmal ein extra Paket an Spannung!

Von Sebastian Unnasch und Moritz Nolte

Mit Victor Smolski wird ein echter Vollblut-Musiker im neu erworbenen Rallycross-Audi direkt voll ins Geschehen eingreifen. Der Ex-Gitarrist der Power-Metal-Band „Rage“ will bei den RallyCars und bei den SuperCars die DRX rocken. „Zwischen den Konzerten mit meiner Band Almanac habe ich endlich Zeit, meinen Traum zu verwirklichen und Rallycross auszuprobieren! Nach vielen Jahren auf der Rundstrecke und 11 Teilnahmen beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring, mit 17 Klassensiegen auf verschiedenen Rundstrecken, habe ich jetzt Bock auf mehr Adrenalin. Nach zahlreichen Teilnahmen an nationalen Rallyes, möchte ich diese zwei Welten vermischen. Ich freue mich total auf unseren ersten Einsatz auf dem Lausitzring am 14. und 15.4.Push the pedal to the metal“, so Victor selbst.

Victor Smolski: Ohne Metal-Grup "Devil horns", dafür ganz lammfrom mit gerecktem Daumen. Bild: Rallycross-DM.de
Victor Smolski: Ohne den obligatorischen Metal-Gruß „Devil horns“, dafür ganz lammfrom mit gerecktem Daumen. Bild: Rallycross-DM.de

Auch das ARX Nordic Racing Team aus der Nähe von Hamburg wird in diesem Jahr erstmals in die Deutsche Rallycross Meisterschaft einsteigen. Das Team kommt aus dem Autocross. „Wir möchten vorerst Erfahrungen und Kilometer sammeln und werden mit einem Produktionswagen Ü1400-Neuaufbau in der Deutschen Rallycross Meisterschaft an den Start gehen“ so Steve Koblinski vom ARX Nordic Racing Team. An den Start geht es mit einem Honda Civic Vtec. Mehr Informationen findet ihr zum ARX-Nordic-Racing auf Facebook

Philipp Knof. Bild: PR Motorsport / Philipp Knof
Philipp Knof. Bild: PR Motorsport / Philipp Knof

Der absoluter Knaller für die Rallye-Fans wird Philipp Knof sein, der mit einem eigenen Auto an den Start geht. Auch Philipp mit einem Produktionswagen. „Wir werden mit einem Peugeot 205 GTI 1,9 an den Start gehen. Das Fahrzeug ist aktuell soweit es geht noch serienmäßig und daher geht es für uns in die Klasse der Produktionswagen. Wir möchten erstmal schauen, wohin es sich entwickeln kann.“

Es zeigt sich also auch hier, die Produktionswagen wachsen immer stärker und gerade für die jungen Leute und Neulinge im Rallycross-Sport eignet sich die Klasse der Produktionswagen unter und über 1400ccm hervorragend um erste Erfahrungen zu sammeln. Das sagte uns auch schon Erik Jockel im Interview, denn auch er wird nun nach fast zwei Jahren Pause in seinem nagelneuen Polo Super1600 wieder an den Start gehen. Seine Karriere begann ebenfalls in einem Produktionswagen.

Die worldrallyx.de-Partner-Teams

In diesem Jahr gehen vier DRX-Teams als worldrallyx.de-Partner-Teams an den Start. Diese unserer Meinung nach besonders spannenden Fahrer und Teams wollen wir durch die Saison begleiten. Vor dem Start in die neue Saison haben wir Marco Wittkovski, amtierender Deutscher Rallycross-Meister von Schomaker Racing, Romano Schultz, DRX-Champion 2017 in der Super1600-Klasse, Björn Urbach von BWC Motorsport und Steve Koblinski vom ARX Nordic Racing Team ein paar Fragen gestellt.

Marco Wittkovski, Schomaker Racing

Marco, als amtierender Deutscher Rallycross-Meister dürfte dein Saisonziel klar sein. Wer sind denn deine größten Konkurrenten in diesem Jahr?
Kürzlich ist die vorläufige Nennungsliste für den Lausitzring heraus gekommen. Da ist schon ordentlich was los in meiner Klasse. Wir haben in der Supernational Minus ja jetzt schon so viele Fahrer wie letztes Jahr komplett in der Supernational. Deshalb ist es auch schwer auszumachen, wer meine Hauptkonkurrenten auf den Titel für 2018 sind. Es sind ja auch einige neue Fahrer dabei, die man überhaupt nicht einschätzen kann. Die üblichen Verdächtigen sind natürlich Andreas Huschenbett und Fred Czaja, um mal zwei zu nennen. Dann sind da noch Fahrer wie Ralf Wilhelm, Pawel Hankiewicz, Sven Grupe usw., die im Letzten Jahr sehr gute Einzelergebnisse hatten, aber dann auch wieder viel Pech durch technische Probleme oder Unfälle. Erschwerend kommt natürlich auch noch dazu, dass ich jetzt gegen Fahrer aus drei andere Klassen um den Titel kämpfe, gegen die ich nicht auf der Strecke antreten kann. Sobald in den Klassen drei Fahrer am Start sind, werden auch die vollen Punkte für die Plazierten verteilt. Also, wie Du siehst ist die Titelverteidigung alles andere als einfach, sollte aber immer noch unser Ziel sein.

Hast du Veränderungen an deinem Auto vorgenommen?
Veränderungen habe ich über den Winter an meinem Golf nicht vorgenommen. Das Auto ist ja auch sehr gut. Wir haben alles soweit durchgecheckt und revidiert. Nur mit dem Motor sind wir etwas spät dran. Da wollen wir noch etwas Leistung drauflegen.

Romano Schultz, PR Motorsport

Was sind eure Ziele für diese Saison?
In der DRX 2018 stapeln wir erstmal tief. Wir haben drei neue Fahrer und starten somit erstmals zu viert in der DRX. Mit Philipp, als ehemaligem Deutschen Rallyemeister, haben wir einen talentierten und erfahrenen Fahrer im Team. Bleibt abzuwarten, wie schnell er sich auf Rallycross umstellen kann. Dustin und Patrick sind dagegen verhältnismäßig unbeschriebene Blätter und müssen erstmal ihren eigenen Rhythmus finden. Und bei Thomas sind wir guter Dinge, dass auch er die Lücke zur Spitze deutlich verkleinern kann. In der FIA CEZ S1600 sind nur Gaststarts bei ausgewählten Rennen geplant, um auch hier Schritt für Schritt Fuß zu fassen.

Wer sind die härtesten Konkurrenten aus eurer Sicht?
Das können wir aktuell für Dustin und Thomas noch gar nicht abschätzen. Durch die Teilung der SuperNational in 2000+ und 2000- wissen wir aktuell noch nicht, wie viele und welche Teilnehmer in der jeweiligen Kategorie starten. Für Patrick geht es bei den RallyCars nur darum, Kilometer und Erfahrung zu sammeln. Und bei Philipp bin ich sehr zuversichtlich, dass er ganz vorne um die Siege kämpfen kann.

Welche Änderungen habt ihr an euren Autos für die neue Saison umgesetzt?
Das bleibt unser Geheimnis. 😉 Wir können nur so viel verraten, als dass Dustin jetzt einen stärkeren Motor verbaut hat und wir bei Thomas die Fahrzeugbalance deutlich verbessert haben. Der Peugeot von Philip und Patrick ist aus dem ehemaligen Schotterslalom-Auto von Philipp entstanden und wurde nun auf Rallycross abgestimmt.

Gibt es sonst etwas Neues bei euch?
Ich werde in diesem Jahr erstmals nicht in der DRX starten, sondern ausschließlich ausgewählte Läufe der FIA CEZ RX. Hier werden wir auch langfristig unseren neuen Partner Toyo Tires präsentieren. Auch Thomas wird in diesem Jahr erstmals einen Gaststart in Österreich wagen. Wir befinden uns jetzt schon in der Planung für 2019.

Steve Koblinski, ARX Nordic Racing Team

Ihr fahrt ja eure erste Saison im Rallycross. Wie groß sind denn die Unterschiede zum Autocross?
Ja, das stimmt. Wir fahren unsere erste Saison im Rallycross und kommen ursprünglich aus dem Autocross. Dort sind wir erfolgreich in der Tourenwagenklasse unterwegs gewesen und wollten nun nach einer längeren sportlichen Pause mal etwas „Neues“ probieren und uns weiter entwickeln. Wir sehen die größten Unterschiede im wechselnden Streckenbelag. Im Autocross wird meist auf losem Untergrund gefahren, wobei beim Rallycross der Streckenbelag ständig wechselt. Hier sehen wir auch die größte Herausforderung im Rallycross. Welche Reifen muss man einsetzen,  zu welchem Belag, zu welcher Zeit, unter den verschiedenen Wetter-und Streckenbedingungen? Das Auto wird natürlich auch anders reagieren als beim Autocross.

Was ist euer Ziel für diese Saison?
Wir stecken unsere Ziele dieses Jahr niedrig. In erster Linie wollen wir das neue Auto testen und einstellen. Sicherlich müssen wir übers Jahr hinweg viel lernen. Wir möchten uns von Rennen zu Rennen immer weiter entwickeln und das Auto und das Setup immer besser abstimmen. Das Ziel sollte sein über die Saison ein Auto zu entwickeln, was 2019 um die Podiumsplätze mitfahren kann. Auch als Fahrer so viele Runden zu fahren wie möglich, um Kilometer und Erfahrungen zu sammeln.

Wer sind die härtesten Konkurrenten aus eurer Sicht?
Nun, wir verfolgen seit längerem die Ergebnislisten, Berichte und Resultate im Internet. Es gibt viele gute Fahrer und Autos. Auch gerade in der Produktionswagenklasse der DRX soll und wird sich dieses Jahr ja einiges tun und der ein oder andere Fahrername taucht dort auf. Wir sind gespannt, wie wir abschneiden und orientieren uns natürlich an anderen Fahrern und Teams, die schon länger und erfolgreich dabei sind.

Erzähl doch bitte in bischen was zu eurem Auto!
Unser Auto ist ein kompletter Neuaufbau. Ein Tourenwagen Honda Civic EG6 Vtec. Es sollte wieder ein Honda werden, da die Charakteristik des Honda-Motors gut zum Auto- und Rallycross passt.  Es ist ein Projekt, was durch viele Hände ging. Aufgebaut wurde es von Nico Barz aus Eime/Niedersachen, der seinerzeit erfolgreich mit dem gleichen Auto in der Autocross Meisterschaft teilnahm. Wir werden sehen was das Jahr für Überraschungen für uns bereit hält und wie sich das Auto und der Fahrer entwickeln.

Björn Urbach, BWC Motorsport

Update 12.04.2018: Aller Voraussicht nach wird Björn Urbach in dieser Saison nicht mehr an den Start gehen. Das Team teilte uns überraschend mit: „Wir werden so wie es aussieht in der Saison 2018 nicht mehr an den Start gehen. Unser Golf hat beim letzten Test diese Woche einen Motorschaden erlitten, den wir auf die Schnelle nicht beheben können. Eventuell klappt es auch noch mit einem Start in diesem Jahr, aber davon gehen wir aktuell nicht aus.

Insofern ist der Stand des Interviews aus der letzten Woche somit überholt. Wir wollen euch die Antworten von BWC Motorsport dennoch nicht vorenthalten. Und wer weiß, vielleicht sind die Jungs aus Schlüchtern schneller wieder zurück als aktuell angenommen…

Was ist euer Ziel für diese Saison?
Ziel für die Saison 2018 ist es, dass wir das Fahrzeug besser kennenlernen und die Performance steigern können, um möglichst weit vorne mitzufahren. Klar möchten wir auch um die Meisterschaft kämpfen, jedoch geht es uns in erster Linie darum, eine gute und beständige Leistung abzuliefern und mit dem neuen Fahrzeug Erfahrungen zu sammeln.

Wer sind die härtesten Konkurrenten aus eurer Sicht?
Das ist aktuell schwer zu sagen. Jeder einzelne Fahrer der DRX hat seine Stärken und Schwächen die wir jetzt erst mal einschätzen müssen.
Auch kommt es hierbei auf die Performance des Autos an. Nach 2-3 Rennen wird sich zeigen, mit wem wir am meisten konkurrieren.

Welche Änderungen habt ihr an euren Auto für die neue Saison umgesetzt?
Wir haben uns hier eher auf die Basics beschränkt. Fahrwerk und Gewicht wurden otimiert, um eine gute Gesamtperformance zu erzielen.
Was das alles gebracht hat, wird sich zeigen.

Gibt es sonst etwas Neues bei euch?
Wir konnten für die Saison 2018 ein paar neue Sponsoren und mit worldrallyx.de einen neuen Medienpartner gewinnen.

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Über Moritz Nolte 71 Artikel
Moritz Nolte arbeitet als Motorjournalist und Social-Media-Berater für die Automobilindustrie. Bereits seit 2007 schreibt er im Kundenauftrag Motorsportreportagen - unter anderem für Opel Motorsport und Bilstein. Seit 2017 betreibt er worldrallyx.de. Privat ist Moritz als begeisterter Trackday-Fahrer auf Europas Rennstrecken mit seinem Toyota GT86 unterwegs.

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