UPDATE: Betriebsstopp für den Estering?

Volles Haus auf dem Estering: Wenn es nach dem BUND geht, dürfte damit bald Schluss sein. Bild: FIAWorldRallycross.com

Der Streit um den Estering geht in die nächste Runde. Schon länger streitet sich der „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) mit dem Landkreis Stade und dem Automobil Club Niederelbe als Betreiber des Estering über die Betriebsgenehmigung.

UPDATE 18.04.2018: Die Situation rund um dem Estering ist undurchsichtig. Das Stader, Buxtehuder, Altländer Tageblatt berichtet nun: „Seitdem das Verwaltungsgericht die neue Betriebsgenehmigung mit der Erweiterung gestoppt hat, ist in den sozialen Netzwerken von einem Betriebsstopp die Rede. Das ist falsch.“ Auch beim Betreiber des Estering, dem ACN, interpretiert man die aktuelle Situation offenbar nicht als „Betriebsstopp“ – und vermutet wohl, dass die alte Genehmigung, die weniger Betriebstage vorsieht, greift, nachdem die neue Betriebsgenehmigung außer Kraft gesetzt ist.

Rolf Lützow, 2. Vorsitzender des ACN, geht laut Kreiszeitung-Wochenblatt.de davon aus, dass „die Veranstaltungen 2018 gesichert sind“. Das sieht BUND-Anwältin Grünewald allerdings etwas anders: Sie sei „überzeugt, dass auf dem Estering derzeit gar nichts mehr geht“. Und  Grünewald glaubt zudem, dass die alte Genehmigung nicht mehr reaktiviert werden könne.

Beim ACN soll man indes „nicht besonders glücklich“ über die von einem Fan initierte Online-Petition für die Aufhebung des Betriebsstopps am Estering sein und befürchte, dass sie dem Verein eher schaden könnte. Der Initiator der Online-Petition zieht deshalb mittlerweile in Erwägung, sie abzubrechen. Innerhalb weniger Tage hatte die Petition weit über 1.200 Unterstützer gefunden.

worldrallyx.de hatte in der Vergangenheit mehrfach versucht, belastbare Information vom ACN und dem Landkreis Stade zu bekommen. Dort wollte man sich allerdings nicht konkreter zum Sachverhalt äußern.

Artikel vom 16.04.2018:

Wie das Buxtehuder Tageblatt im Januar berichtete, hatte der BUND die Gespräche mit dem Landkreis Stade und dem ACN abgebrochen und gegen den Estering geklagt.

Bereits im Oktober 2017 hatte der BUND-Landesverband Niedersachsen Widerspruch gegen die erneute Genehmigung des Betriebs einer „Motorsport-Rennstrecke“ durch den Landkreis Stade erhoben. Mit seinem Widerspruch machte der BUND nach eigenen Angaben u.a. geltend, „dass die Naturschutzvereinigungen entgegen gesetzlicher Vorgaben vom Landkreis Stade nicht beteiligt worden sind und in rechtswidriger Weise eine Öffentlichkeitsbeteiligung unterblieben ist.“ Das Problem laut BUND:

„In Bezug auf die Umweltfragen, sei weder eine ordnungsgemäße Vorprüfung nach dem Umweltverträglichkeitsgesetz (UVPG) erfolgt, noch sei die erforderliche Verträglichkeitsprüfung nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) durchgeführt worden. Diese sei jedoch zwingend geboten, da der Estering unmittelbar an das europarechtlich geschützte FFH-Gebiet Estetal angrenzt. Das Estetal beheimatet seltene und besonders streng geschützte Arten und einen einzigartigen, schützenswerten Lebensraum. Diesem Gebiet sei im Genehmigungsverfahren jedoch keinerlei Beachtung geschenkt worden. Darüber hinaus befindet sich der Estering im Trinkwasserschutzgebiet für die Region. Auch dies sei nicht hinreichend geprüft und beachtet worden.“

Ein zentraler Punkt, gegen den der BUND vorgeht, ist die Ausweitung der Renntage von früher zwölf auf jetzt maximal 52 Tage.

Nachdem der Betrieb des Esterings daraufhin im November zwischenzeitlich gestoppt worden war, wurde die Genehmigung vom Landkreis Stade kurz darauf wieder erteilt. Der BUND kündigte noch im November 2017 eine Klage an (hier zu den Hintergründen aus Sicht des BUND).

Im Januar machte der BUND seine Drohung war, brach die Gespräche ab und klagte gegen den Estering. Zunächst allerdings nur gegen die vom Kreis angeordnete sofortige Vollziehbarkeit des neuen Regelwerks, das mehr Betriebstage auf dem Estering vorsieht. Jetzt berichtet das norddeutsche Kreiszeitung-Wochenblatt, dass das Verwaltungsgericht Stade dem Eilantrag des BUND Niedersachsen stattgegeben habe. Damit ruhe die neue Betriebsgenehmigung für die Rennstrecke, die der Landkreis Stade erteilt hatte. Die Gerichtsentscheidung kommt demnach einem Betriebsstopp gleich.

„Der ACN hat nun die Möglichkeit, binnen zwei Wochen vor dem Oberverwaltugnsgericht (OVG) Lüneburg Widerspruch einzulegen und zwei weitere Wochen,um den Widerspruch zu bdegründen. Folgen die Lüneburger Richter aber dem BUND, so wären alle Rennen in diesem Jahr unmöglich.“

Der Rallycross-WM-Lauf vom 13.10. – 14.10.2018 und der DRX-Lauf vom 16. – 17.6.2018 stehen als weiter auf der Kippe.

Unter https://www.openpetition.de/petition/online/aufhebung-des-betriebsstopps-auf-dem-estering haben Fans eine Onlinepetition eingerichtet.

Über Moritz Nolte 75 Artikel
Moritz Nolte arbeitet als Motorjournalist und Social-Media-Berater für die Automobilindustrie. Bereits seit 2007 schreibt er im Kundenauftrag Motorsportreportagen - unter anderem für Opel Motorsport und Bilstein. Seit 2017 betreibt er worldrallyx.de. Privat ist Moritz als begeisterter Trackday-Fahrer auf Europas Rennstrecken mit seinem Toyota GT86 unterwegs.