Saison-Vorschau: Die Rallycross-WM WRX 2018

Peugeot 208 RX 2018. Bild: FIAWorldRallycross.com

Am kommenden Wochenende startet die Rallycross-WM (WRX) in die neue Saison. Vor allem EKS Audi Sport und Team Peugeot Total wollen PSRX-Volkswagen in die Suppe spucken und Johan Kristofferson den Weltmeister-Titel abjagen. Unsere Vorschau.

Nach sechs Monaten Pause gibt es am Wochenende in Barcelona endlich wieder Renn-Action satt. Dann sind Weltmeister Johan Kristofferson und Petter Solberg die Gejagten. In ihrem weiterentwickelten VW Polo R Supercar geht die schwedisch-norwegische Fahrerpaarung auf Punktejagd.

PSRX Volkswagen: Vom Jäger zum Gejagten

Der 2018er Polo stellt keine radikale Revolution dar, sondern eine dezente aber zielgerichtete Weiterentwicklung. Die größten Veränderungen des neuen Polo-Supercars betreffen dabei die Aerodynamik und die Balance des Autos. Insbesondere der bei Rallycross-Boliden sensible Bereich der Motorkühlung wurde unter besonderen aerodynamischen Gesichtspunkten neu gestaltet und soll zu deutlich effizienteren Werten beim Polo R Supercar 2018 führen. Ein zweiter wichtiger Aspekt war die Gestaltung eines neuen CFK-Heckflügels, der für mehr Anpressdruck sorgen und mehr Abstimmungsmöglichkeiten ermöglichen soll.

Gehen auch in dieser Saison als Favoriten in die Saison: Petter Solberg und Johan Kristofferson
Gehen auch in dieser Saison als Favoriten in die Saison: Petter Solberg und Johan Kristofferson. Bild: PSRX Volkswagen

Volkswagen Motorsport Direktor Sven Smeets über das Saisonziel: „Unser Ziel ist es natürlich, wieder die Fahrer- und Teamwertung zu gewinnen. Es wird hart, denn Audi und Peugeot haben ihr Engagement ausgebaut. Natürlich wollen wir Johan und Petter ein starkes Auto bereitstellen, mit dem sie wieder um beide Titel kämpfen können. Keine Frage: Wir stehen vor einer Saison, die direkt vom ersten Heat-Durchgang an extrem spannend sein wird.“

Der neue VW Polo R für 2018. Bild: Volkswagen
Der neue VW Polo R für 2018. Bild: Volkswagen

EKS Audi Sport als Herausforderer Nummer 1

Vor allem mit EKS Audi Sport dürfte zu rechnen sein: Audi stockte sein Werksengagement bei den Schweden auf, die sich mit Andreas Bakkerud verstärkten und nun eine Fahrerpaarung auf dem Niveau von Kristofferson/Solberg am Start haben. Ekström und Bakkerud zeigten der Konkurrenz bei den offiziellen WRX-Testfahrten auf der neuen Rallycross-Strecke des Traditionskurses von Silverstone schon einmal, wo der Hammer hängt.

Top-Fahrerpaarung und schnelles Auto: Andreas Bakkerud, Mattias Ekström und der neue Audi S1 EKS RX quattro. Bild: Ferdi Kräling Motorsport-Bild GmbH
Top-Fahrerpaarung und schnelles Auto: Andreas Bakkerud und Mattias Ekström mit dem neuen Audi S1 EKS RX quattro. Bild: Ferdi Kräling Motorsport-Bild GmbH

Mattias Ekström fuhr sowohl am ersten als auch am zweiten Testtag die jeweils schnellste Runde. Am ersten Tag war der Schwede 0.266 Sekunden schneller als Timmy Hansen im Peugeot 208. An Tag zwei 0,419 Sekunden schneller als der Zweitschnellste, Petter Solberg.

„Das war eine großartige Bestätigung für die ganze Mannschaft, die in den vergangenen Monaten extrem hart gearbeitet hat“, sagt Ekström. „Doch wo wir wirklich stehen, sehen wir erst in Barcelona. Schon deshalb ist es für mich das aufregendste Wochenende des Jahres.“

Der neue Audi S1 EKS RX quattro scheint ein großer Wurf geworden zu sein. Die Ingenieure von EKS und Audi Sport überarbeiteten sowohl die Aerodynamik des S1, als auch die Kühlung und den Motor samt Peripherie. Dank eines Software-Updates soll der Audi jetzt 580 PS leisten. Das wären 10 PS mehr als beim VW Polo R – Volkswagen spricht offiziell von 570 PS, die der Bolide leisten soll.

„Wir haben spürbar mehr Motorleistung als je zuvor“, sagt Mattias Ekström, der nach den ersten Testrunden mit dem neuen Motor auf Mallorca mit einem breiten Grinsen aus dem Cockpit kletterte. Seine Kampfansage an die Konkurrenz: „Wir haben einen deutlichen Schritt gemacht, die ersten Testfahrten verliefen vielversprechend. Im vergangenen Jahr sind wir als Gejagte in die Saison gestartet, nun sind wir die Jäger.“

Team Peugeot Total startet mit drei Fahrern

Peugeot Sport startet in dieser Saison als offizielles Werksteam. Auch die Franzosen überarbeiteten ihren WRX-Boliden. Die jüngste Generation des offiziell 560 PS starken Peugeot 208 WRX wurde weiter gewichtsoptimiert, soll dem Fahrer eine bessere Rückmeldung geben und einen harmonischeren Drehmomentverlauf bieten. Dadurch soll das Auto insgesamt leichter und schneller zu fahren sein. So zumindest die Hoffnung der französischen Entwickler. Zudem haben die Ingenieure von Peugeot Sport intensiv an der Aerodynamik gefeilt. Der 2018er-Peugeot bekam einen neuen Heckflügel sowie eine neue Heckschürze. Neben einem modifizierten Motor verfügt der Peugeot 208 WRX über eine überarbeitete Vorderradaufhängung, neue Dämpfer und größere Räder sowie eine schnellere Schaltung und einen verbesserten Überrollkäfig.

Der neue Peugeot 208 RX 2018. Bild: FIAWorldRallycross.com
Der neue Peugeot 208 RX 2018. Bild: FIAWorldRallycross.com

Drei Fahrer werden für das Team Peugeot Total bei den zwölf WM-Läufen an den Start gehen: der neunmalige Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb, Topfahrer Timmy Hansen sowie sein jüngerer Bruder Kevin Hansen als sogenannter „Permanent Individual Competitor“. Während Sébastien Loeb und Timmy Hansen mit dem neuen 2018er-Auto starten, nimmt Kevin Hansen hinter dem Steuer eines modifizierten 2017er-Modells Platz. Als Ziel formulierten die Franzosen etwas kryptisch: „Vom Saisonstart an so viele Punkte wie möglich einfahren, um so die Ambitionen auf zukünftige Fahrer- und Team-Weltmeistertitel zu unterstreichen.“

Drei Werksteams und fünf Privat-Teams

Komplettiert wird das Starterfeld der Supercars von fünf weiteren Teams. Vor allem die Teams von Marcus Grönholm und Guerlain Chichérit dürften in den Blickpunkt der Fans rücken.

GRX Taneco

Anfang März stellte Marcus Grönholm sein WRX-Team für die neue Saison vor. Das Team mit dem offiziellen namen „GRX Taneco“ wird mit den Fahrern Timur Timerzyanov und Niclas Grönholm an den Start gehen. Timerzyanov und Grönholm junior werden zwei Hyundai i20 Supercars pilotieren, die auf Hyundai Motorsports 2016er i20-WRC-Plattform basieren. Das Auto wurde von GRX und den finnischen Rallycross-Experten von SET Promotion für den RX-Einsatz optimiert.

Bild: GRX Taneco
GRX Taneco mit den Fahrern Timur Timerzyanov und Niclas Grönholm. Bild: GRX Taneco

Guerlain Chichérits neues Team GCK

Guerlain Chichérit wird mit zwei von Prodrive aufgebauten Renault Mégane RX und seinem neuen Team GCK starten. Neben Chicherit wird der Franzose Jerome Grosset-Janin ins Lenkrad greifen.

Der neuen Renault Megane RX von GCK. Bild: FIAWorldRallycross.com
Der neuen Renault Megane RX von GCK. Bild: FIAWorldRallycross.com

WRX-Comeback von Olsbergs MSE

Das schwedische Rallycross-Team Olsbergs MSE kehrt in die Rallycross-WM (WRX) zurück. Kevin Eriksson und Robin Larsson sollen die komplette Saison absolvieren. Zuletzt konzentrierten sich die Schweden auf die GRC und stellten die RX2-Autos in der WRX. Jetzt stellte Olsbergs MSE sein Engagement in den USA ein: Nach dem Rückzug von Partner Honda und dem Ende der Supercars in der Red Bull Global Rallycross Series konzentriert sich der Rennstall nun komplett auf Europa. Für die neue Saison legte Olsbergs zwei neue Ford Fiesta Supercars auf Kiel.

Kevin Eriksson und Robin Larsson. Bild: MSE
Kevin Eriksson und Robin Larsson. Bild: MSE

Team STARD

Auch in diesem Jahr wird Janis Baumanis für STARD fahren. Der Lette wird als „Permanent Individual Competitor“ an den Start gehen. Zudem wird der Chinese Ma Qing Hua ausgesuchte Rennen absolvieren. Der ehemalige WTCC-Fahrer und aktuelle Formel-E-Testfahrer testete in diesem Jahr ausgiebig die STARD-Fiestas.

Sébastien Loeb Racing

Der Rennstall von Sébastien Loeb steigt in die WRX ein. Der Franzose Gregoire Demoustier wird als Permanent Individual Competitor ein 208 Supercar pilotieren. Der 27-Jährige startete im letzten Jahr bereits bei immerhin sieben WRX-Läufen in einem Peugeot 208.

Für den WRX-Auftakt in Barcelona haben außerdem der Brite Oliver Bennett (Mini Cooper RX) und Hervé Lemonnier (Citroen DS3) genannt.

[poll id=“3″]

Der WRX-Kalender 2018

Der Kalender für die Rallycross-WM-Saison 2018 umfasst erneut 12 Veranstaltungen. In die Saison wird am kommenden Wochenende in Barcelona gestartet. Zwei Wochen später geht es in Portugal in die nächste Runde. Ende September 2018 geht es für den WRX-Tross zum ersten Mal in die USA auf den Circuit Of The Americas. Dafür flog der Hockenheimring aus dem Kalender. Für Lydden Hill rückte Silverstone nach. Abgeschlossen wird die Saison erneut vom World RX of South Africa Ende November 2018.

Neu im WRX-Kalender 2018: Der Circuit Of The Americas. Bild: FIAWorldRallycross.com
Neu im WRX-Kalender 2018: Der Circuit Of The Americas. Bild: FIAWorldRallycross.com

Rennen 1, 14.4. – 15.4.2018: World RX of Catalunya – Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya

Rennen 2, 28.04. – 29.4.2018: World RX of Portugal, Montalegre

Rennen 3, 12.05. – 13.05.2018: World RX of Belgium, Circuit Jules Tacheny (Mettet)

Rennen 4, 26.05. – 27.05.2018: Speedmachine Festival – World RX of Great Britain, Silverstone

Rennen 5, 09.06. – 10.06-2018: World RX of Norway, Hell

Rennen 6, 30.06. – 01.07.2018: World RX of Sweden, Höljes Motorstadion

Rennen 7, 04.08. – 05.08.2018: World RX of Canada, Grand Prix de Trois-Rivieres

Rennen 8, 01.09. – 02.09.2018: World RX of France, Lohéac, Bretagne

Rennen 9, 15.09. – 16.09.2018: Neste World RX of Latvia, Bikernieki National Sports Base

Rennen 10, 29.09. – 30.09.2018: World RX of USA, Circuit Of The Americas

Rennen 11, 13.10. – 14.10.2018: World RX of Germany, Estering (Buxteude)

Rennen 12, 24.11. – 25.11.2018: World RX of South Africa, Killarney International Raceway

Neues Reglement soll Kosten reduzieren

Um Kosten zu reduzieren, haben die FIA und WRX-Promoter IMG umfangreiche Reglementänderungen in der FIA Rallycross-WM beschlossen. Die Änderungen im Reglement sind das Ergebnis der Diskussionen zwischen WRX-Teams, Rallycross-WM-Promoter IMG und der FIA. So wurde die Anzahl der in einer Saison einzusetzenden Motoren von drei auf zwei reduziert. Außerdem dürfen nur noch vier Turbolader pro Saison genutzt werden (vorher zwei pro Event). Und auch die Anzahl der zu verwendenden Reifen wurde reduziert: Ab sofort dürfen nur noch 12 Reifen pro Event genutzt werden.

Über Moritz Nolte 87 Artikel
Moritz Nolte arbeitet als Motorjournalist und Social-Media-Berater für die Automobilindustrie. Bereits seit 2007 schreibt er im Kundenauftrag Motorsportreportagen - unter anderem für Opel Motorsport und Bilstein. Seit 2017 betreibt er worldrallyx.de. Privat ist Moritz als begeisterter Trackday-Fahrer auf Europas Rennstrecken mit seinem Toyota GT86 unterwegs.